Ein paar Quadratmeter Afrika

WP 30.01.2012 Balve.Ein paar Quadratmeter afrikanisches Elend in der Realschule Balve. Eine enge Rundhütte, mit Kies bedeckter Boden, an der Wand hängen Fotos von gestorbenen Großvätern und Müttern. Das Aids-Mobil der katholischen Hilfsorganisation Missio machte gestern Station an der Realschule, damit Jugendliche die bedrückende Situation von Aids-Waisen auf dem schwarzen Kontinent erleben konnten.
 
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Aids – das ist auch in Europa immer noch eine gefährliche Krankheit. Doch die vom Immunschwächevirus HIV ausgelösten Verheerungen sind in Afrika viel gewaltiger. Rund 14 Millionen Mädchen und Jungen sind dort Aids-Waisen, weil ihre Eltern der Pandemie zum Opfer gefallen sind. Was das für die Kinder und Jugendlichen bedeutet, können Flyer oder Info-Broschüren nur begrenzt vermitteln. Deshalb schickt die Hilfsorganisation Missio den Aids-Truck durch deutsche Schulen. Die Realschüler der Klassen 9 und 10 konnten dort das Schicksal von zwei Aids-Waisen viel direkter erfahren. Sie werden per Hörspiel auf einem mp3-Player in die Rolle eines südafrikanischen Jungen oder eines ugandischen Mädchens versetzt. Auf einem Rundgang durch sieben Räume erleben sie interaktiv die Lebenssituation der gleichaltrigen Afrikaner. Geradezu entsetzt sind manche Schüler über die Armut der Menschen in Afrika und „dass es Menschen so schlecht gehen kann".

Vor und nach dem Besuch im Truck wurden die Schülerinnen und Schüler über die Situation der HIV-Infizierten in Afrika informiert. Auch das heikle Thema Vorsorge wird besprochen. Lisa-Marie Schulz, pädagogische Mitarbeiterin des Aids-Trucks, erklärte auch, dass eine bessere Versorgung mit Medikamenten den Betroffenen in Afrika helfen kann. Deutsche Jugendliche wie die Realschüler hätten zum Beispiel die Möglichkeit, Politiker aufzufordern, sich dafür einzusetzen.

Die Realschule Balve hatte den Besuch des Trucks selbst organisiert. „Es war schon spannend, so anschaulich über die scheinbar alltagsferne afrikanische Problematik der Krankheit Aids aufgeklärt zu werden", meinte Religionslehrer Roland Chrzanowski. Der stellvertretende Schulleiter Tobias Hommel begrüßte, dass die Schülerinnen und Schüler angesichts des afrikanischen Elends ihre eigene Lebenssituation in anderem Licht sehen. „Sie sehen, wie gut es uns hier geht, und fragen sich, ob man nach einem Jahr schon wieder das neueste Handy braucht", erklärt er.

Thorsten Bottin