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Kategorie: Neues im SJ 16/17

Alle mögen Ambra: Realschule Balve ist auf den Hund gekommen

WP vom 18.12.2016 von Alexander Bange
Foto: Alexander Bange - Hündin Ambra in der Städtischen Realschule Balve
Balve. Schulhündin Ambra ist an der Realschule Balve super beliebt. Die Kinder der 6a mögen sie. Das Tier sorgt aber nicht nur für gutes Klassenklima.
Als die Aula des Schulzen­trums als Trauerraum dient, ist es auch ein Vierbeiner, der die weinenden Kinder tröstet. Ambra, die Rhodesian-Ridgeback-Hündin, hat ein feines Gespür dafür, wie verzweifelt die Mädchen und Jungen an diesem Tag sind. Sie lässt sich streicheln, wird geknuddelt, lenkt für einen Moment von einem schrecklichen Ereignis ab. Augenblicke, die die Kinder und die Hündin an ihre Grenzen bringen.
Das ist zum Glück sehr selten der Fall. Ambra ist in der Städtischen Realschule Balve sprichwörtlich bekannt wie ein bunter Hund – und total beliebt. Ein Mal pro Woche – immer donnerstags – besucht sie den Unterricht in der Klasse 6a mit vier Inklusionskindern. Aber auch bei Schulveranstaltungen oder Projekttagen ist Ambra ein gern gesehener Gast.

Nina Fröhling begeistert

„Ich war von Anfang an begeistert von dieser Idee“, berichtet Schulleiterin Nina Fröhling, selbst Hundebesitzerin, über das Schulhundeprojekt. „Ich weiß, wie beruhigend und ausgleichend Tiere auf Kinder wirken können.“ Besitzerin von Ambra ist Cordula Puls, Lehrerin für Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt Lernen. Sie hat ihre Hündin, eine afrikanische Rasse und zweieinhalb Jahre alt, vor gut zwölf Monaten in der Realschule vorgestellt. „Natürlich mussten wir auf Vorbehalte eingehen“, erzählt Nina Fröhling, „auf Allergien, auch auf Ängste. Aber wir haben nichts gegen den Willen der Kinder und Eltern getan, und es gab totales Einverständnis.“ Nach zwei, drei Monaten Probephase stand fest: Ambra soll bleiben.

Trainiert und zertifiziert

Ambra ist trainiert, in einer Schulhundeausbildung geprüft und zertifiziert und von ihrem Wesen her für den Umgang mit Kindern geeignet. Die Schüler haben die Hündin schnell in ihr Herz geschlossen. „Anfängliche Skepsis bei dem einen oder anderen ist ganz schnell großer Sympathie gewichen“, berichtet Cordula Puls, Lehrerin für Sonderpädagogik. Der Vierbeiner ist – nach anfänglichen Leckerchen – eine Ergänzung des normalen Unterrichts. Wenn Ambra müde ist, legt sie sich auf eine Decke, möchte sie gestreichelt werden, geht sie durch die Schulbänke.
Das sorgt nicht für Ablenkung, sondern hat viele positive Auswirkungen auf den Unterricht, wie Nina Fröhling und Cordula Puls schildern: Die Lernatmosphäre sei gut, soziale und emotionale Kompetenz werde gefördert, das „vorurteilsfreie Verhalten von Ambra angenommen und uneingeschränkt akzeptiert“. Gleichzeitig lernen die Kinder den verantwortungsvollen Umgang mit einem Tier – oder aber, was ein Haustier an Pflege und Beschäftigung mit sich bringt und wie viel es kostet.

Schöne Atmosphäre

Die Kinder sind ganz vernarrt in Ambra. Die Hündin wird oft gestreichelt, und es gibt viele Realschüler, die sich an Freitagen nicht nur auf das Wochenende freuen, sondern vor allem auf den nächsten Donnerstag, wenn Ambra wieder zu Besuch ist. „Wir gehen mit ihr spazieren oder durchlaufen ein Parcours“, erzählt ein Sechstklässler. „Die Atmosphäre ist viel angenehmer“, sagt ein Mädchen. „Eine schöne Abwechslung.“ Klassenlehrerin Katharina Jürgens betont den Nutzen: „Mit Ambra sind die Kinder noch leiser, noch aufmerksamer.“